Neue Atemschutzübungstrecke

P1030436Die beiden Feuerwehrmänner knien am Boden. Zwischen ihnen liegt eine leblose Gestalt. Die Gruppe schiebt sich ruckweise durch den engen, kaum einen Meter hohen Tunnel. Die Sicht im dichten Rauch beträgt keine zwei Meter. Das Feuer dröhnt, grelles Licht blendet, ein Mensch schreit gellend.

„Hier trennt sich die Spreu vom Weizen“, sagt Rudi Kurz und deutet auf die beiden Feuerwehrleute, die auf den Bildschirmen vor Kurz bestens zu erkennen sind. Acht Wärmebildkameras fangen jeden Winkel des 56 Meter langen Parcours ein, den die zwei Feuerwehrmänner mit dem 40 Kilogramm schweren Dummy – der leblosen Gestalt – zurücklegen müssen.

Die sogenannte Atemschutzstrecke ist das Highlight der Ausbildung am Atemschutzgerät. Für manchen Feuerwehrmann wird der Parcours auch zum Tiefpunkt: Wer durch diese Ausbildung fällt oder später die regelmäßigen Tests reißt, darf nicht – oder nicht mehr – zum Brandeinsatz. Das gilt für die Freiwillige Feuerwehr wie für die Berufsfeuerwehr. „Wer das hier nicht beherrscht, wäre im Ernstfall eine Gefahr für sich, seinen Partner und den Trupp, der das erste Team im Notfall bergen muss“, verdeutlicht Rudi Kurz, Leiter der Atemschutzstrecke.

Die 56 Meter auf dem Gelände der Feuerwache Feuerbach haben es freilich in sich. Boden, Wände und Decken sind aus Stahlgitterboxen zu einer genormten, zweigeschossigen Bahn mit diversen Türen, Klappen und Röhren zusammengefügt. Die Hälfte des Parcours muss wegen der geringen Deckenhöhe kniend oder sitzend absolviert werden. Heizstrahler, Kunstnebel, Lichtblitze und ein über Tonband eingespielter Höllenlärm durchsetzt mit menschlichen Hilferufen simulieren das Innere eines brennenden Gebäudes. Die Kulisse wirkt realistisch, bedrohlich.

Zur echten Tortour wird der Parcours aber erst durch den Zweck der Übung – das Atemschutzgerät. 15 Kilogramm wiegt die Apparatur mit zwei Stahlflaschen, in denen 1800 Liter Atemluft auf 300 bar komprimiert sind. Bei Höchstbelastung, wenn der Puls bei freiwilligen Feuerwehrmännern minutenlang über 180 liegt und auch erfahrene, trainierte Berufsfeuerleute sich ihrem Limit nähern, braucht ein Retter 80 bis 100 Liter Luft pro Minute. Atemschutzgeräte ermöglichen es, einen Brand auch aus der Nähe zu bekämpfen und Menschen in Not zu retten. Berücksichtigt man die Zeit fürs Vorrücken zum Feuer, zum Abrücken und für eine Sicherheitsreserve, reduziert sich die wertvolle Zeit allerdings auf wenige Minuten.

Aus den gelben Flaschen gelangt die Luft über einen Schlauch direkt in die Maske, die luftdicht am Kopf anliegt. Schon in der an sich harmlosen Trainingssituation erfordert es einiges an Kondition und Willenskraft, sich bei körperlicher Anstrengung die Maske mit den vier Lederriemen nicht nach kurzer Zeit vom schweißnassen Gesicht zu reißen. „Mit Fitness kann man das nur bedingt beeinflussen, die psychische Belastungen ist halt hoch“, erläutert Ausbilder Kurz. „Da hilft nur Training, Training, Training.“

Quelle: Stuttgarter Nachrichten

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